miniportion 183: buttermilch

23 Jul
Fruchtbuttermilch, Aachen 2013

Fruchtbuttermilch, Aachen 2013

Buttermilch ist gleich mit einer ganzen Reihe romantischer Assoziationen belegt. Zum einen berichtet die Apothekenumschau, dass sie sehr gesund sei, zum anderem bewerben Hersteller wie Müller sie seit Jahren als kosmetische Wunderwaffe. In einem Fernsehspot trinkt in einem alpin anmutenden Fachwerkhäuschen ein nur mit einem Handtuch bekleideter Herr mit recht vollem Haar mit vollem Genuss aus einem Plastikbecher. Die Kamera tastet seinen ansonsten haarlosen aber gestählten Oberkörper ab. „Ich habe das Geheimnis schöner Frauen entdeckt“, sagt die Person mit verführerischster Schlafzimmersynchronstimme, „ und das koste ich jetzt natürlich aus.“

Buttermilch gehört aber zu den Getränken von denen eigentlich kaum jemand so genau weiß, um was es sich eigentlich handelt. Mal abgesehen von der Tatsache, dass es sich vermutlich um ein Nebenprodukt der Butterherstellung handelt. Von kerngesunden Bauernmadeln und -buben mit kräftigen Armen und strahlenweißen Zähnen am Butterfass geschlagen. In der industriellen Realität sieht das heute allerdings anders aus. Buttermilch ist kein Abfallprodukt mehr, sondern entsteht zumeist aus einem Mix aus entrahmter Milch und Milchsäurenbakterien. Für den säuerlich Geschmack, insofern der nicht von Pistazie-Cocos, Nocciola-Nuss oder Kirsch-Banane bestimmt wird.

Von meiner Schwester bekam ich vor Jahren einmal Kopien von vegetarischen Rezepten aus der Brigitte. Ein paar davon haben, ordentlich in eines meiner frühen Notizbücher eingeklebt, die Jahrtausendwende überstanden. Gebratene Kartoffeln mit Joghurt-Minze-Soße aus Indien, gebratene Glasnudeln aus Indonesien und Gurkensuppe mit Buttermilch aus Polen. Letztere gab es laut Randnotiz 1997 gleich zwei Mal und ich nehme an, dass es auch damals eher heiß gewesen sein muss. Ob die Buttermilch meinem Aussehen zuträglich gewesen ist, sollen andere entscheiden – erfrischend war die Geschmacksrichtung Gurke, Radieschen, Dill aber allemal.

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