miniportion 180: küchenmaschine

20 Jul
Alte Küchengeräte, Heyne 1979

Alte Küchengeräte, Heyne 1979

In meiner Abstellkammer befindet sich eine sehr große Edelstahlschüssel. Sie hat einen wohlgeformten runden Boden, praktische Griffe und – durch jahrelange betriebliche Nutzung – eine schöne aus Kratzern und kleinen Beulen bestehende Patina. Meine Eltern erbten sie einst, mit einer ganzen Menge weiterer professioneller Ausstattung, von einem befreundeten Bäcker und Konditor, als dieser seinen schräg unter ihrer Wohnung befindlichen Laden schloss. Jahrzehntelang lagerte das schwere Gerät gemeinsam mit diversen Waagen, Backformen und Palettmessern im Keller und auf dem Dachboden, bis ich es vor einiger Zeit beim Aufräumen entdeckte und in meinen eigenen Haushalt eingliederte. Ein wunderschönes Objekt, das jedoch ziemlich groß ist. So groß, dass sich bislang nur einmal die Gelegenheit zur Nutzung ergab – nämlich an dem Tag, als ich einmal Stollen nach einem Rezept aus einem ostdeutschen Backbuch herstellen wollte, mir aber keine richtigen Gedanken über den Umfang der Zutaten machte und letztendlich einen Teigberg von vier Stollen à 1,5 Kilogramm zu bewältigen hatte. Nur, um die Dimensionen mal so zu verdeutlichen – das passte ohne Probleme hinein. Die Schüssel war natürlich einmal ein Teil einer noch größeren Gesamtmaschine, deren restliche Teile als verschollen gelten müssen. Das ist zum einen natürlich sehr schade, zum anderen aber auch ein Glücksfall, weil ich sonst vermutlich Kühlschrank und Herd ins Wohnzimmer würde auslagern müssen.

Immer, wenn ich bei Freunden oder in Geschäften eine dieser schönen, praktischen Küchenmaschinen sehe – beispielsweise eine himbeerfarbene Kitchen Aid – dann denke ich an die Rührschüssel aus der Bäckerei und an die Tatsache, dass ich sie immer erst in die Küche tragen muss, wenn ich an den dahinter in der Kammer stehenden Staubsauger möchte. Immer dann bin ich sehr froh, dass es solche großen Küchenmaschinen gibt und noch glücklicher, dass ich sie nicht beherbergen muss.

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