miniportion 177: garnele

17 Jul
Garnelenwerbung eines Restaurants, Barcelona 2013

Garnelenwerbung eines Restaurants, Barcelona 2013

In einer Pizzeria auf der Aachener Straße bestellt Freund D. Spaghetti mit Garnelen. Ob er die von der regulären Karte wolle, fragt die Bedienung, oder die von der Tageskarte. Wo denn der Unterschied läge, will Freund D. wissen und bekommt zur Auskunft, dass es sich bei der auf der regulären Karte vermerkten Shrimps um kleine Krabben handele, bei denen auf der Tageskarte aber um größere Gambas. Letztere seien aber in jedem Fall geschält. „Nichts ist unangenehmer“, erläutert Freund D. als sie wieder Richtung Küche abgezogen ist, „als Gambas mit Schale aus der Weißweinsoße fischen zu müssen.“ Dazu wäre es, um diese kleine Anekdote abzuschließen, aber – ob nun mit oder ohne Schale – gar nicht gekommen, da die drei in der Tageskartenversion enthaltenen Tiere auf Spaghetti in Pesto und keinesfalls in Soße serviert wurden.

Als ich gegen Ende der 1980er Jahre zum Schüleraustausch nach Südfrankreich fuhr, kannte ich weder Shrimps noch Gambas. Allenfalls von Krabben hatte ich gelegentlich gekostet, die verzehrfertig in Cocktailsoße in Büffets zu besonderen Anlässen auftauchten. Vermutlich um mir zu zeigen, dass französischer Alltag durchaus wie im französischen Film sein kann, nahm meine Gastfamilie mich am Wochenende mit zu einem erweiterten Familienfest. Einer der Hauptgänge bestand aus frischen Crevetten, mit denen ich aus technischen Gründen nichts anfangen konnte – bis mir diverse Familienmitglieder ganz praktisch erläuterten, wie man Kopf und Beine zu entfernen habe, was wesentlich zur Erheiterung aller Anwesenden beitrug.

Zurück nach Deutschland. In Gertrud Oheims „1 x 1 des guten Tons“ aus dem Jahr 1955 findet sich zwar keine Anleitung für Crevetten, wohl aber eine für Krebse. „Kenner“, so heißt es dort, „trinken vor dem Genuß des Schwanzfleisches, das man ebenfalls mit Toast ißt, einen kleinen Schluck Dornkaat.“ Mit diesem Wissen hätte ich damals in Frankreich sicherlich punkten können.

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