miniportion 147: dill

17 Jun
Dill im Schlossgarten, Läckö 2005

Dill im Schlossgarten, Läckö 2005

In meiner Kochbuchsammlung befindet sich ein Band mit dem Titel „die 100 berühmtesten rezepte der welt“. Die konsequent moderne Kleinschreibung lässt auf den zeitgeschichtlichen Kontext der Publikation schließen – die frühen 1970er Jahre. Im Untertitel „Das Farbbild-Kochbuch der internationalen Spezialitäten“ kommen allerdings auch wieder Großbuchstaben vor, schließlich werden hier die verkaufsfördernden Aspekte des Buches beworben. Dementsprechend farbig sind dann auch die Abbildungen. Die Soße aus Rotwein und Speisestärke auf den Forellen mit Mandeln (aus der Schweiz) sieht denn auch eher aus wie Kunstblut. Ansonsten enthält das Kochbuch knallbunte Klassiker wie Waldorf-Salat aus den USA, deftig-bodenständiges wie Hutspot aus den Niederlanden oder raffiniertes wie Canard à l’Orange aus Frankreich.

Dill findet sich lediglich in drei Rezepten, nämlich Soljanka aus der Sowjetunion, an der Seite von Borretsch, Petersilie, Schnittlauch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer und Kresse in der Grünen Soße aus Deutschland und in der Tarator, einer kalten Joghurtsuppe aus Bulgarien. Das liegt sicherlich auch an der mangelhaften Präsenz der skandinavischen Länder in dieser fröhlichen folklore culinaire. Dort, beispielsweise in Schweden, spielt Dill eine nicht unbedeutende Rolle im Küchensystem. Das lässt sich schon mit einem kurzen Blick ins Lebensmittelregal eines schwedischen Einrichtungshauses erkennen. Dort finden sich Sill und Kräftor, Heringe oder Flusskrebse in Dillsud. Außerdem Gravad Lax mit Sås Senap & Dill und vor allem ein Produkt – dessen Erfindung ich für ebenbürtig mit der Konzeption des Bücherregals Billy halte – Kartoffelchips mit Dillgeschmack!

Die erste Ikea-Filiale in Deutschland eröffnete im Oktober 1974 in München. Bis wir aber auch im Schweden-Shop einkaufen durften – im Mutterland gehörten Restaurants und Lebensmittel von Anfang an zum Konzept – dauerte es noch ein paar Jahrzehnte. Heute wären Dill-Chips hoffentlich das 101. Rezept.

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