miniportion 136: blutwurst

6 Jun
Kamelle aus Wurst, Köln 2011

Kamelle aus Wurst, Köln 2011

Spricht man mit Senioren, die auf dem Land aufgewachsen sind, über ihre Kindheit, geht es zwangsläufig irgendwann um das Thema Schlachttag. Dann bekommt man interessante Einsichten darin, wie die Tötung und Verarbeitung beispielsweise eines Schweins so vor sich ging. Eine der Erinnerungen, von denen dann häufig die Rede ist, ist das Rühren des in einer Schüssel aufgefangenen Bluts – damit es nicht gerinnt und zu Wurst weiterverarbeitet werden kann. Diese Tätigkeit hat man früher offensichtlich gerne Kindern übertragen und der dabei vorherrschende Geruch scheint etwas zu sein, dass man nie wieder vergisst.

Blutwurst ist ein Muster, das in vielen Regionen Deutschlands zu finden ist. Im Rheinland befindet sich die Blutwurst sprichwörtlich zwischen Himmel und Erde, zwischen Himmel und Ääd. Wobei die Erde durch das Kartoffelpüree vergegenwärtigt wird, während das ebenfalls fest zu diesem Gericht gehörende Apfelmus den Himmel darstellt.

In Köln heißt die Blutwurst Flönz, in Aachen Puttes. Bei beiden handelt es sich um geschützte geografische Angaben und beide werden nach einem ziemlich unauffälligen Rezept hergestellt.  Dennoch ist die Blutwurst für meine Heimatstadt eine ganz besondere Sache. Im Aachener Dialekt-Wortschatz finden sich gleich acht Ausdrücke, die mit Puttes anfangen. Am schönsten finde ich den Ausdruck Putteshööenche für ein Füllhorn zum Wurstmachen, weil er für die des Aachener gedehnten Singsangs nicht mächtigen Menschen kaum auszusprechen ist.

Ansonsten ist der bundesweite Blutwurstunterschied nicht so besonders groß, hier mal ein bisschen mehr Grütze, dort ein bisschen mehr fetten Speck, hier ein wenig mehr Majoran, dort vielleicht Pfeffer. Blutwurst gibt es da, wo Schweine gegessen werden. Aus dem schlichten Grund, dass man früher danach trachtete, dass ganze Tier zu verzehren. Und fürs Blut muss man ja gar nicht viel tun. Erst einmal nur einen Eimer drunter halten – das Rühren erledigen ja schon die Kinder.

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