miniportion 125: rote bete

26 Mai
Eingewecktes Obst und Gemüse im Ruhrmuseum, Essen 2010

Eingewecktes Obst und Gemüse im Ruhrmuseum, Essen 2010

Ich kenne kaum ein Gemüse, das schon nach dem einfachen Kochen – ohne großartige Weiterverarbeitung – so intensiv schmeckt und so nachhaltige Spuren hinterlässt wie Rote Bete. Angenehm erdig im Geschmack und spektakulär in der Färbung. Letzteres liegt übrigens an der hohen Konzentration des Glykosids Betanin. Am Besten schmecken Rote Bete daher meiner Meinung nach stehend am Herd, frisch aus dem Topf und mit noch roten Händen. Nur ein bisschen Butter und Meersalz. Aber das ist Geschmackssache.

Erstaunlicherweise gibt es ja viele Gerichte, in denen Obst die Fronten wechselt und als geschmacksgebender Bestandteil in herzhaften Speisen auftaucht – man denke an Toast Hawaii, an Preiselbeeren zum Truthahn oder an Hähnchenschnitzel Indische Art mit Dosenpfirsich, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Andersherum ist dieser Wechsel sehr viel seltener der Fall. Allenfalls in ein paar Rührkuchen tauchen Möhren, Zucchini oder eben auch Rote Bete auf, ohne allerdings einen wesentlichen geschmacklichen Beitrag zu leisten. Einmal fand ich in einem Buch einer niederländischen Food-Trend-Expertin ein Rezept für einen dunklen Schokoladenkuchen mit Rote Bete-Anteil. Das fertige Ergebnis war zwar durchaus ansehnlich, profitierte aber lediglich durch eine subtile Saftigkeit von der Gemüsezugabe, deren spektakuläre Farbe und erdige Note vollkommen von Zartbitterschokolade überwalzt worden waren.

Dann doch lieber ein Gericht aus Jugendjahren, das mein Mann und ich nach seiner damaligen Mitbewohnerin U., einer sehr pragmatischen jungen Frau von der Mosel, U.-1-2-3 nannten. Es bestand aus gebratenen Fleischwurststücken, die in der Pfanne mit gekochten Eiernudeln und mit geschlagenen Eiern vermischt wurden. Dazu, man frage mich nicht warum, gab es traditionell Rote Bete aus dem Glas. Auf dem Teller erinnerte das eher an Schlachttag, aber hungrigen jungen Menschen soll’s recht sein.

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