miniportion 112: gazpacho

13 Mai
Auch in dieser katalonischen Bar wird Gazpacho serviert, Barcelona 2008

Auch in dieser katalonischen Bar wird Gazpacho serviert, Barcelona 2008

In Pedro Almodóvars „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ von 1988 spielt die großartige Rossy de Palma eine Freundin von Carmen Maura, der Protagonistin. Sie ist auf der Flucht vor der Polizei, da sich ihr neuer Liebhaber als schiitischer Terrorist entpuppt hat. Dabei trägt sie nicht nur Ohrringe in Form dieser auch in Spanien verbreiteten kleinen Espressokannen, die man auf den Herd stellt, sondern wird außerdem Opfer einer mit Schlaftabletten versetzen Gazpacho. Einen beträchtlichen Teil des Films verbringt sie somit schlafend auf einer Terrasse und wacht erst nach dem Showdown wieder auf. Vor Jahren einmal schrieb ich ihr einen Brief und bekam eine ganzseitige, handschriftliche Antwort. Aber das ist eine andere Geschichte.

Gazpacho ist eine kalte Suppe aus diversem Gemüse und Brot, die vermutlich mit den Arabern nach Spanien kam. Die wohl bekannteste Version ist die Gazpacho andaluz aus Tomate, Paprika, Gurke, Knoblauch und Zwiebel. Das Kochbuch „Viva España“ von 2010 beschreibt den interkulturellen Zusammenhang folgendermaßen: „Das Bedürfnis nach einer leichten, erfrischenden Suppe lässt sich mit der maurischen Architektur erklären.“ Die historischen Stadtkerne seien heiß und stickig, die Suppe hingegen kühl und erquickend. Das ist, angesichts der Fähigkeit arabischer Architekten, dass Hausinnere wohltemperiert zu halten, nicht ganz logisch aber trotzdem hübsch und ich möchte an dieser Stelle bereits den Eintrag „Tomatensaft“ (im Flugzeug) vorwegnehmen, der ja irgendwie zu den großen Mythen nicht der spanischen aber der deutschen Esskultur gehört. Tomatensaft scheint einmal ein sehr exotisches Getränk gewesen zu sein, das man nur selten bei so exotischen Tätigkeiten wie Langstreckenflügen zu sich nahm. Long distance ist mittlerweile ja Alltag geworden, Tomatensaft hingegen nach wie vor eine willkommene Erfrischung geblieben. Mit Salz und Pfeffer bitte.

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