miniportion 107: bohnensuppe

8 Mai
Mercat de la Boqueria, Barcelona 2013

Mercat de la Boqueria, Barcelona 2013

Manche kulinarischen Traditionen leben eher davon, dass man über sie spricht, als das man sie zubereitet oder isst. Im Saarland zum Beispiel wird zur Bohnensuppe aus Stangenbohnen traditionell Pflaumenkuchen (Quetschekuche genannt) gereicht. Eine Tatsache, von der meine Mutter jedes Mal sprach, wenn genannte Suppe auf den Tisch kam. Bei uns gab es aber nie Bohnensuppe UND Pflaumenkuchen, obwohl beides hoch angesehene, von allen gemochte Gerichte waren, unsere kleine Kernfamilie gegenüber Experimenten ja durchaus aufgeschlossen war und alles saarländische ja erst einmal positiv konnotiert war. Vermutlich wollte sie den Genuss einfach nicht teilen.

Suppe aus Stangenbohnen gab es meist in der Erntezeit. Auf Petition von uns Kindern nicht mehr als einmal in der Woche. Je nachdem welches Gemüse reifte, gerieten meine Eltern in einen wahren Rausch. Dazu kam, dass man sich – auch wenn dies niemals zugegeben worden wäre – in einer gewissen Konkurrenzsituation mit anderen Hobbygärtnern in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis befand. Eine Zucchini von der Größe eines Männeroberschenkels liefert vielleicht nicht mehr das zarteste Fruchtfleisch, aber sie macht Eindruck. Bei den Bohnen verhielt sich das ähnlich, geerntet wurde erst, nachdem das Pflanzenwachstum bis zum Äußersten ausgereizt war. Ausgewachsene Stangenbohnen haben nun aber leider mitunter eine harte bis holzige Tendenz. Besonders an den Rändern, an denen sich unangenehme Fäden bilden, die auf Geheiß von uns Kindern vor dem Kochen zu entfernen waren. Hatten die Eltern unsauber gearbeitet, würgten wir unter großem dramatischen Einsatz am Mittagstisch herum und weigerten uns, jemals im Leben wieder Bohnensuppe zu essen. Abgesehen davon fand ich das Gericht ziemlich lecker, vor allem weil vor dem Verzehr Maggi, Essig und ein ordentlicher Schuss Sahne dazugegeben wurden. Hätte ich Kinder, würde ich ihnen nur davon erzählen.

5 Antworten to “miniportion 107: bohnensuppe”

  1. giftigeblonde 8. Mai 2013 um 16:17 #

    Das klingt köstlich, bei uns heißen diese Bohnen Fisolen und werden auch mit Rahm und Essig gekocht, dazu Semmelknödel und das kulinarische Glück ist perfekt.
    Unter Bohnensuppe verstehen wir hier in Österreich im Allgemeinen eine dicke eintopfartige Suppe mit weißen Bohnen, meist aus der Dose und dann halt individuell zubereitet.
    Auch sehr lecker, aber besser ist die grüne, frische Variante!

    • johannesarens 8. Mai 2013 um 17:13 #

      Ihr habt a) immer das schönere Wort und b) mit Semmelknödeln eine sehr interessante Kombination. Du hast doch bestimmt ein passendes Knödel-Rezept für mich … 🙂

  2. joernborchert 8. Mai 2013 um 18:36 #

    Bohnensuppe ist meine Spezialität. Immer, wenn ich als junger Kerl vom Tramperurlaub in Südfrankreich zurückkehrte, rief ich einen Tag vorher meine Mutter an, damit sie genug Zeit hatte, den Bohneneintopf zu kochen. Aus grünen Busch oder Stangenbohnen. Am besten mit Hammelfleisch. Immer aber mit viel Bohnenkraut.
    Später nutzte ich diesen Eintopf, um Mädels zu beeindrucken. Immer mit Erfolg, übrigens. Eine davon ist jetzt meine Frau und liebt noch immer meinen Bohneneintopf. Ob Bohnenkraut ein Aphrodisiakum ist?
    @Entfädeln: kann mich auch noch an Zeiten erinnern, wo das notwendig war. Die Bohnen meiner Gemüsefrauen haben das jedoch nicht mehr nötig, wofür ich ihnen sehr dankbar bin.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Back to the roots: Einbrennte Fisolen mit Knödel oder schöner: Rahmfisolen mit Semmelknödel | giftigeblonde - 16. Mai 2013

    […] Johannesjarens blog hab ich vor ein paar Tagen was zu Bohnensuppe gelesen. Da das mit grünen Bohnen, hier bei uns […]

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