miniportion 106: rumtopf

7 Mai
Basis für Mini-Rumtöpfe, Play del Ingles/Gran Canaria 2010

Basis für Mini-Rumtöpfe, Play del Ingles/Gran Canaria 2010

Als versierter Flohmarktgänger bin ich nicht nur über die Preise von Scrabblespielen, Sammeltassen und Tupperdosen informiert, sondern auch darüber, welche kulinarischen Techniken derzeit nicht mehr en vogue sind. Wer wissen will, ob es der richtige Zeitpunkt ist, seinen Raclettegrill, seine elektrische Crepepfanne oder seine Joghurtmaschine zu verkaufen, kann sich bequem an Sams- und Sonntagen auf Supermarktparkplätzen und Stadtfesten ein Bild machen. Es gibt da übrigens interessante innereuropäische Unterschiede. Am 1. Mai besuchte ich diverse Trödel im französischsprachigen Teil Belgiens und nahm überrascht zur Kenntnis, dass hier offensichtlich gerade erst das Zeitalter des Fondue-Sets zu Ende gegangen ist. Dieser Trend ist in Deutschland schon eine Weile passé und die Frequenz von entsprechenden Töpfen, langen Gabeln und praktisch aufgeteilte Teller auf den Tapeziertischen hat schon wieder abgenommen. Anders als auf bundesdeutschem Trödel fand sich hier aber beispielsweise kein einziger Rumtopf, vermutlich weil es sich dabei – sowohl bei Topf als auch beim Inhalt – um eine ziemlich teutonische Angelegenheit handelt.

Im heimischen Keller wohnte eine gläserne Version, in der das Obst wie in einer medizinischen Sammlung von Formaldehydpräparaten langsam vor sich hin bleichte und auf der mein Vater mit Kugelschreiber ein für ein Kind unendlich weit in der Vergangenheit liegendes Datum eingetragen hatte. Was genau enthalten war, ließ sich nur noch schwerlich erkennen, aber Dr. Oetker empfahl 1963 je 500 g Erdbeeren, Süßkirschen, Aprikosen, Pfirsiche, Sauerkirschen, Mirabellen, Pflaumen, Birnen, Weintrauben, eine Ananas, 3-4 Flaschen Rum und 1 kg Zucker. Eine gehaltvolle Mischung, der man im Westen der Republik offensichtlich auch über das Rezept hinaus zugetan war, irgendwoher müssen die ganzen glasierten Steinguttöpfe mit den hübschen Aufschriften ja kommen.

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