miniportion 096: mozzarella

27 Apr
Burrata im Restaurant Allium, Barcelona 2013

Burrata im Restaurant Allium, Barcelona 2013

Als Forscher im Feld unterliege ich gewissen Zwängen. Das finde ich persönlich nicht weiter schlimm. Man könnte auch behaupten, dass ich mich ins Feld begebe, um meine Zwänge ausleben zu dürfen. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft erfreue ich mich dann meiner Neurosen. Eine davon – meine Freunde können leidvoll berichten – besteht darin, dass ich, sobald ich ein mir unbekanntes Gericht auf der Speisekarte bestelle, dieses umgehend bestellen muss. Immer dann, wenn ein Angebot mir nichts sagt, regt sich die Hoffnung, eine spektakuläre Neuentdeckung zu machen, etwas nie zuvor da gewesenes zu schmecken und meinen Lesern und Leserinnen davon kundtun zu können.

So auch an diesem Abend im Restaurant Allium in Barcelona, einem mit Slow Food assoziierten Lokal, dass sich auf lokale, katalanische Kost spezialisiert hat. Draußen regnet es ein wenig, drinnen riecht es angenehm nach den getrockneten Wurstwaren über der Theke, auf der ein tätowierter, bärtiger Koch dicke Scheiben Weißbrot abschneidet und mit Tomaten einreibt. Die offensichtlich aus Südamerika stammende Kellnerin reicht uns eine englische Karte. Es gibt Tapas in großen und kleinen Portionen, Vorspeisen wie Artischocken mit Iberico und Aioli und Hauptgerichte wie schwarzen Reis mit Tintenfisch. „Was ist denn Burrata“, fragt Freund A. und zeigt auf die Entradas. „Burrata, peperoncino i salsa“ lese ich und habe keine Ahnung. Meine Wahl ist getroffen. Ich bekomme einen tiefen Teller mit einer ordentlichen Portion Weichkäse, der aussieht wie ein zusammengeknoteter Sack und mit orangefarbenem Salsa und kleinen gefüllten Kirschpaprikas dekoriert ist. Burrata, so lese ich später, ist eine Sonderform des Mozzarella aus Kuhmilch, der, zu einem kleinen Paketchen geformt, im Inneren eine Mischung aus Sahne und Frischkäse enthält. Früher, sagt Wikipedia, habe man so in Italien Butter aufbewahrt. Manchmal bedeutet Slowfood doch auch ein bisschen Globalisierung.

Eine Antwort to “miniportion 096: mozzarella”

  1. giftigeblonde 27. April 2013 um 21:29 #

    Oh, da krieg ich ja schon wieder Hunger 🙂

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