miniportion 079: smultron

10 Apr
Walderdbeeren aus Trollhättan, 2005

Walderdbeeren aus Trollhättan, 2005

In Astrid Lindgrens „Wir Kinder aus Bullerbü“, das ich 1978 von meiner Tante M. geschenkt bekam, gibt es eine Stelle, die mich ganz besonders nachhaltig beeindruckt hat. „Die Jungen können kein Geheimnis haben, wir kommen doch dahinter“ heißt das Kapitel  in dem Britta, Inga und Lisa während der Heuernte eine Walderdbeerstelle finden, deren Lage die Jungs, also Lasse, Bosse und Ole, aber nicht erfahren sollen. Das Wort allein schon – Walderdbeerstelle. Und dann kommt die entscheidende Passage: „Wir pflückten die Walderdbeeren und zogen sie auf dünne Halme. Es waren dreizehn Halme voll.“

Was in der deutschen Übersetzung ein bisschen biblisch klingt war für mich unvorstellbar poetisch. Dieses Bullerbü musste das Paradies sein, denn Walderdbeeren wuchsen bei uns nicht, weil sie keine besondere Affinität zu Fichtenschonungen aufweisen. Aber wer hat die schon. In den lichten Buchenwäldern unweit des Hauses meiner saarländischen Großmutter hingegen fanden sich im Herbst nicht nur jede Menge Pilze, sondern im Sommer auch richtige Walderdbeerstellen. Das wäre nahe an Bullerbü herangekommen, wären da nicht die Bergbauschäden gewesen, die einen nicht unbeträchtlichen Teil des Waldes zur No-Go-Area machten. Und so blieb den Früchten der Fragaria vesca ihre mythische Aura erhalten, über die ich mir schon als Kind so meine Gedanken machte. Jede Beere, so mutmaßte ich, hat wohl von Natur aus eine gewisse Quantität an Aroma zugeteilt bekommen. Große Beeren sehen demnach zwar schön aus, schmecken aber eben weniger intensiv.

Als ich Jahrzehnte später zum ersten Mal Urlaub in Schweden machte, sah ich in Gedanken das von uns gemietete, nördlich von Göteborg situierte Häuschen bereits inmitten einer einzigen wunderschönen Walderdbeerstelle gelegen. Leider entpuppten sich die neben einem Felsen auf dem Grundstück wachsenden Ebereschen als die einzigen irgendwie essbaren Früchte der Umgebung. Und die wachsen auch zwischen den Fichtenschonungen meiner Heimat.

5 Antworten to “miniportion 079: smultron”

  1. giftigeblonde 10. April 2013 um 10:04 #

    DIE hätte ich jetzt gern 🙂
    Bei mir im Garten wachsen die, ganz von alleine, allerdings gibt’s keine Erntegarantie, die Vögelchen freuen sich auch über die schönen Walderdbeeren!

    • johannesarens 10. April 2013 um 10:05 #

      Irgendwie hast Du ganz schön viele Standortvorteile! 🙂

      • giftigeblonde 10. April 2013 um 10:06 #

        Ja, so ein Riesengarten birgt viele Möglichkeiten.
        Leider wächst noch kein Bärlauch bei mir, vielleicht ändere ich das auch noch gggg.
        Übrigens die Beerchens habe ich nie gesetzt, die sind von alleine plötzlich vor Jahren dagewesen!

      • johannesarens 10. April 2013 um 10:07 #

        Verbreitung über Igel!

      • giftigeblonde 10. April 2013 um 10:08 #

        Die Beerchens? Ja Igel gibt’s hier genug, so am Land gibt’s das halt alles, Gestern abend hab ich drei Marder rumtanzen sehen im Dunkeln ggg

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