miniportion 070: vanillepudding

1 Apr
Nachtisch auf Stromkasten, Aachen 2013

Nachtisch auf Stromkasten, Aachen 2013

Pudding ist eine Angelegenheit aus meiner mehr oder weniger allergiefreien Vergangenheit, in der ich noch Kuhmilchprodukte in großen Mengen zu mir nehmen konnte. Denn zuhause gab es fast jeden Tag Vanillepudding. Der wurde von meiner Mutter gekocht, nachdem Mann und Kinder zur Schule gefahren waren. Für uns Nachkommen gab es mittags Vanillepudding mit einem Klacks Schokolade, für meinen Vater Schokoladenpudding, der durch die Zugabe von schwach entöltem Kakaopulver aus einem Rest Vanillepudding hergestellt wurde und mit einem hellen Ornament verziert wurde. Soviel Detail musste sein. Zu besonderen Anlässen gab es hin und wieder auch Karamellpudding, für den Zucker im Topf karamellisiert wurde, der in unachtsamen Momenten ziemlich bitter werden konnte. Manchmal, vor allem wohl in der Vorweihnachtszeit, gab es einen Spekulatiuskeks am Boden des Glasschüsselchens oder wahlweise auch einen Butterkeks, die beide im Laufe des Vormittags lecker weich wurden. Im Sommer wurde manchmal aus Gründen der Erfrischung auf Wackelpudding in Zitrone, Himbeere oder Pfirsich-Maracuja umgestellt. Selber aß meine Mutter so gut wie nie Nachtisch, was mir als Kind eher unerklärlich blieb. Sehr selten wurde diese Abstinenz unterbrochen, dann bevorzugte sie „Mändelchen“ genannten Griespudding der Marke Polak in einer Pappschachtel im Vorkriegsdesign, bei dem es sich vermutlich um eine Kindheitserinnerung ihrerseits handelte.

Pudding verbinde ich somit mit sorgenfreien häuslichen Mittagessen und in Form von Vanillevla mit Ausflügen in die benachbarten Niederlande. Ein schlimmer Moment meiner Kindheit hingegen war, als wir einmal im holländischen Haus von liechtensteinischen Freunden meiner Eltern zu Besuch waren und meine Schwester und ihr alpenländisches, gleichaltriges Pendant meinen Vanillevla am Rand des Tellers heimlich mit Salz vergifteten. Gemerkt habe ich es zwar nicht, aber als mir nachher davon erzählt wurde, war ich doch sehr schockiert.

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