miniportion 056: kochbuch

19 Mrz
Christina Björk/Lena Anderson: Linus lässt nichts anbrennen. München 1984

Christina Björk/Lena Anderson: Linus lässt nichts anbrennen. München 1984

Mein erstes Kochbuch bekam ich im Alter von neun Jahren. Etwa eine Woche vor meiner Erstkommunion klingelte Frau B., unsere schwäbische Nachbarin, um mir ihr Geschenk zu überreichen. Ob ich es vielleicht schon ein paar Tage früher öffnen dürfe, fragte sie meine Mutter. Es wäre nicht unklug, sagte sie etwas kryptisch, es vorher schon zu öffnen. Meine Mutter, die etwas essbares, verderbliches vermutete, gab ihre Zustimmung. Mit dem Anflug eines unguten Gefühls, denn eigentlich gehörte das Päckchen ja auf den entsprechenden Berg im Hausflur (mit so etwas nahm ich es als Kind sehr genau) öffnete ich das Geschenkpapier. Darin befand sich eine handgestrickte blau-weiß-rote Mütze – der Antrag auf vorzeitige Öffnung beruhte auf dem noch für ein paar Tage vorhergesagten winterlichen Wetter – und ein schmales Buch mit dem Titel „Linus lässt nichts anbrennen“. Das Buch war das Pendant zu „Lea und die schnellste Bohne der Stadt“, ein Kinder-Botaniker-Klassiker, um den ich meine Schwester schon lange beneidete. Beide, also Lea und Linus kamen aus dem damals noch sehr fortschrittlichen Schweden und so gibt es in meinem Kochbuch auch eine Passage zum Fettgehalt des menschlichen Körpers und eine zu Ballaststoffen und Stuhlgang.

Grundsätzlich aber ging es um die kulinarische Freundschaft eines blonden Schwedenjungen namens Linus zu einer kulinarisch sehr bewanderten Nachbarin namens Svea. Zusammen kochen sie Kartoffeln und Rote-Bete-Suppe oder backen Zimtschnecken. „Das Buch enthält eine Mischung aus Rezepten und gescheiten Informationen, garniert mit farbigen Illustrationen, Zeichnungen und einigen farbigen Fotos“, wie es in der Produktbeschreibung bei Amazon heißt. Dieses erste Kochbuch ist das einzige Kommunionsgeschenk, das sich noch heute in meinem Besitz befindet. Hauptakt war übrigens ein brandneues Iglu-Zelt, welches ein paar Jahre später von einem Auto überfahren wurde, aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Antwort to “miniportion 056: kochbuch”

  1. D. 20. März 2013 um 01:40 #

    Ich will die Geschichte des überfahrenen Igluzeltes lesen. Alsbald. 🙂

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