miniportion 052: sahnesteif

14 Mrz
Sahnesteif (ohne Sahne) bei unseren niederländischen Nachbarn

Sahnesteif (ohne Sahne) bei unseren niederländischen Nachbarn

Vor gut 30 Jahren besuchte ich im Saarland eine Geburtstagsfeier. Onkel E., der Patenonkel meiner Mutter, hatte eingeladen, Tante C. hatte mit ihren Töchtern eine lange Kaffeetafel unter den schönen Obstbäumen hinter dem Haus aufgebaut und es gab Erdbeerkuchen und diverse Sahnetorten. Eine Cousine zweiten Grades erläuterte mir gerade ihre Weinbergschneckenzucht in einem alten Aquarium, als wir Kinder zu Tisch gerufen wurden. Um mich herum ein gutes Dutzend gut gelaunter saarländischer Verwandten, deren Namen ich nicht kannte und die ich außerdem kaum verstehen konnte.

Das ganze hatte etwas von der Mittelsequenz einer französischen Tragikomödie, in der der Protagonist gerade eine schwere Krankheit durchsteht und alle Anwesendem ihm zeigen möchten, dass es sich lohnt das Leben zu genießen und sich am Ende – total bei sich – ausgelassen in die Arme fallen.

Tante C. schaufelte mir ein besonders großes Stück Kuchen auf den Teller und der freundliche Herr in dem bunt gemusterten Hemd gegenüber – vermutlich handelte es sich um den Gatten einer der Cousinen meiner Mutter – reichte mir den Sahnespender. Keine Sprühdose, wie ich sie zuhause kannte, sondern ein mit so einer gefährlichen Gaspatrone bestückter Siphon. Es kam wie es kommen musste! Als Anfänger traf ich nicht den richtigen Winkel und sprühte die Sahne auf den freundlichen Anverwandten gegenüber. Der schien nur darauf gewartet zu haben, riss mir den Sahnespender aus der Hand, versaute zunächst mir die Haare und zielte dann auf das Dekolleté seiner ihm gegenüber sitzenden Schwägerin. Wir Kinder jubelten – dieses Saarland hatte es in sich! Die Schwägerin schien nämlich noch eine lustige Rechnung mit ihrer Schwester offen zu haben, nahm das vor ihr liegende Stück Sahne-Nuss und zielte gekonnt ans Ende der Tafel. Dort traf es stattdessen Onkel E., der … Im wahren Leben tupfte sich mein Gegenüber mit einer Serviette die Sahne von der Brille und versicherte mir mehrmals, dass ihm so etwas auch schon einmal passiert sei. Dabei hätte das so schön werden können.

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