miniportion 033: kopfsalat

23 Feb
Salatgarnitur an Wurstsalat, Saarbrücken 2011

Salatgarnitur an Wurstsalat, Saarbrücken 2011

Zu meinen Lieblingswörtern gehört „Salatgarnitur“ – ein essenzieller Aspekt gutbürgerlicher Kochkunst neben oder auf Schnitzel, Kotelett und Käsebrötchen. Oder „Beilagensalat“, ein kleiner, in der Gaststätte vorab servierter Glasteller mit Kraut, Tomaten, Möhren und grünen Bohnen – vorzugsweise aus der Dose. „Kopfsalat“ ist auch so ein Wort und nebenbei ein gefährliches Gemüse. Denn Kopfsalat kann schießen – wenn wir früher aus den Ferien zurückkamen, ragten im Garten neben kiloschweren Zucchini dürre Salatbäumchen aus dem Acker – und außerdem beinhaltet er, zumindest in der industriell produzierten Version meiner Kindheit, eine gesunde Portion Kunstdünger und Pestizid. Diese Tatsache bewegte meine Mutter dazu, den für das Mittagessen bereits zerpflückten Salat im Aludurchschlag stets mit einem Zettel mit der Aufschrift „Vorsicht – ungewaschen!“ zu versehen. Vor Tschernobyl wohlgemerkt.

Dann kam es zur Entdeckung des Eisbergsalats, den man aufgrund seines knackigen und frischen Auftretens besonders attraktiv fand. Dass er nach nichts schmeckte, nahm man billigend Kauf. Heutzutage heißt Salat nicht mehr Salat, sondern Batavia, Romana oder Lollo rosso. Es gibt Salatmischungen in Tüten, Salate im Torftöpfchen und die Krönung der überflüssigen Salatkultur – Salatherzen in der Plastiktüte, verkaufsfördernd „little gem“ genannt. Außerdem sagt man nicht mehr Salatsoße, sondern Dressing – mit kalorienbewusstem Joghurt oder exotischem „blue cheese“. Früher, bei den Omas, gab es Kopfsalat mit Salatsoße, einem bisschen Zucker und einem guten Schuss Sahne.

Die Großmutter meines Mannes schwenkte gegen Ende ihres Lebens übrigens noch einmal um – von der Sahne zum Joghurt. Weniger aus figürlicher Motivation, die spielt mit 90 Jahren keine große Rolle mehr, sondern aus reiner Sparsamkeit. Denn Joghurt war in dieser oder jener Form recht häufig beim Aldi und beim Lidl im Angebot. Vermutlich der Grund, warum Omas Salat manchmal verdächtig nach Vanille oder Zitrone schmeckte.

Eine Antwort to “miniportion 033: kopfsalat”

  1. giftigeblonde 23. Februar 2013 um 22:08 #

    Salatgarnitur gehört nicht zu meinen Lieblingswörtern sondern zu meinen „oh mein Gott“ Wörtern. Ich hasse das wenn auf meinem Teller was schwimmt was nicht Muh und nicht Mäh ist und sich Salat nennt.
    Eisberg mag ich aber gern, der passt überall dazu und man kann ihn mit allem mischen, was einem im Kühlschrank entgegenspringt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: