miniportion 032: puderzucker

22 Feb
Puderzuckerberieselung ohne süße Müllerin, Köln 2006

Puderzuckerberieselung ohne süße Müllerin, Köln 2006

Einmal assistierte ich meiner oberösterreichischen Freundin R. bei der Zubereitung einer großen Portion Kaiserschmarrn für ein Frühstücksbuffet mit Gästen unterschiedlicher Nationalität. Da es sich aber um einen deutschen und nach deutschen Gewohnheiten ausgestatteten, zudem studentischen, Haushalt handelte, gab es keinen Puderzucker. Wir durchwühlten die Küchenschränke und sogar den Backofen. Backpulver, Kartoffelstärke und Soßenbinder, aber eben kein Puderzucker. „Dann eben ohne“, sagte ich ganz pragmatisch und merkte sofort, dass es sich dabei um einen äußerst unsensiblen Vorschlag handelte. Freundin R. erklärte mit ernster Miene, dass von ihr beigetragene Gericht könne unmöglich ohne Staubzucker die Küche verlassen – dies schien mir gewissermaßen eine Frage der nationalen Ehre. Der Supermarkt um die Ecke war geschlossen und da Puderzucker nicht unbedingt zur Produktpalette einer Tankstelle gehört, machten wir uns an die eigene Herstellung. Da aber so ein gewöhnlicher Industriezucker ziemlich hartnäckig ist, produzierten wir nur unter schwersten Anstrengungen eine überschaubare Menge Staub und Puder. Die Ehre Österreichs aber war gerettet.

In Westdeutschland hingegen verbindet eine ganze Generation das Thema Puderzucker mit einem ganz besonderen Gegenstand – der süßen Müllerin. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine Person, sondern um eine Puderzuckermühle aus Vollplastik der Marke Tupperware, die es in den 1980er Jahren schaffte, nahezu jeden bürgerlichen Haushalt Westdeutschland zu infiltrieren. Bei uns zuhause gab es vergleichsweise wenig Tupperware, da ihr Zenith in den konsumfreudigen 80er Jahren einherging mit der biologisch-dynamischen Phase meiner Eltern. Diese sah die Anschaffung von Plastikdosen nicht vor. Aber die süße Müllerin gab es auch bei uns – vermutlich einmal als Gastgeschenk auf einer Tupper-Party der meine Mutter nicht hatte entweichen können. Denn, biologisch-dynamisch hin oder her – auf dem Land gibt es gewisse soziale Ereignisse, denen man besser nicht fernbleibt.

Eine Antwort to “miniportion 032: puderzucker”

  1. giftigeblonde 22. Februar 2013 um 22:55 #

    Ein Kaiserschmarren verlässt wirklich die Küche nicht ohne Zucker!
    So eine Müllerin habe ich nicht, aber heute habe ich nach meinem Tupper Ultra gekramt, der fristet ein armes Leben bei uns, so ungebraucht usw..ggggg

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