miniportion 027: kartoffelpüree

17 Feb
210 Portionen Kartoffelpüree, Köln 2013

210 Portionen Kartoffelpüree, Köln 2013

Meine gute Freundin A. musste knapp 30 Jahre alt werden, um zu erfahren, dass Kartoffelpüree NICHT zwingend aus einer Tüte kommen muss.

Für alle, die ihre bisherigen Mahlzeiten in ähnlicher Unwissenheit verbracht haben, möchte ich an dieser Stelle exemplarisch die Vorgehensweise der Großmutter meines Mannes dokumentieren, die es in geschätzter 80-jähriger Praxis zu einer gewissen Perfektion brachte. Kartoffelpüree stand unter anderem dann auf dem Speiseplan, wenn Metzger P. im rechtsrheinischen Porz Bratwurst im Angebot hatte. Während ich keinen Zugriff auf den korrekten Bratvorgang des die gesamte Pfanne ausfüllenden Bratwurstringes hatte, wurden uns in der Produktion des dazugehörigen Pürees, haushaltsintern „Poree“, diverse Zuarbeiten anerkannt. Das nun folgende Skript wurde dabei mit minimaler Abweichung eingehalten.

Die Kartoffeln stehen bei Ankunft bereits geschält und in Stücke geschnitten auf dem Herd.

OMA: Da muss noch Salz dran.

ICH: (gebe Salz in den Topf) So gut?

OMA: (guckt kritisch) Noch e bissje!

Die Kartoffeln kochen.

OMA: Stip mal drin!

ICH: (teste eine Kartoffel mit dem Küchenmesser) Ich glaub’ die sind gut.

OMA: (guckt kritisch) Noch e bissje!

Das Abschütten der Kartoffeln ist dem knapp 40-jährigen Enkel wegen des hohen Verletzungspotenzials untersagt – ich bin von diesem Verbot aber ausgenommen. Derweil wird auf dem Herd die Milch für den „Poree“ warm gemacht.

OMA: Ist die Milch warm genug?

ICH: (teste mit dem Finger): Ja, ist heiß.

OMA: (guckt kritisch) Noch e bissje!

Auftritt des Enkels, der die Kartoffeln mit einem Kartoffelstampfer aus geschlungenem Metalldraht zerstampft, der in seiner Laufzeit bereits die Ernte mehrerer Felder zerkleinert haben wird.

ICH: (gebe auf entsprechende Aufforderung hin Muskat, einen Stich gute Butter und die heiße Milch dazu) Ist das genug?

OMA: (guckt kritisch) Noch e bissje!

Der Poree wird in eine Porzellanschale umgefüllt und neben die Pfanne mit der Bratwurst auf den Tisch gestellt. Ich verteile das Essen auf die Teller.

OMA: (guckt begeistert) Noch e bissje!

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