miniportion 023: fischfrikadelle

13 Feb
Einst Kölns berühmtester Fischimbiss - heute ein Lokal namens „Fritten-Imperium, Köln 2004

Einst Kölns berühmtester Fischimbiss – heute ein Lokal namens „Fritten-Imperium, Köln 2004

Die Fischfrikadelle gehört zu den Phänomenen meiner Kindheit, die vollständig aus meinem Alltag verschwunden sind – zusammen mit schwarzem Tee mit Mango-Aroma und diesem luftigen Cross-Knäckebrot in der Plastikverpackung.

Meine letzte Fischfrikadelle werde ich wohl vor mehr als 25 Jahren gesehen haben. Das entspricht einem Vierteljahrhundert und erschreckt mich gerade ein wenig, aber das gehört jetzt nicht hierher. Freitags gab es nämlich bei uns immer Fisch, schließlich waren wir ja ein katholischer Haushalt. Manchmal, wenn meine Mutter mit einer Anzahl aufgedrehter Nachbarinnen zum Markt in die benachbarten Niederlande gefahren war, gab es frischen Fisch. Dann aßen wir Kabeljau mit Zwiebeln und Äpfeln. Manchmal aber, wenn es schnell gehen musste, gab es aber auch einfache Fischstäbchen, was mir auch recht war. Die kamen nie alleine in die Pfanne, sondern wurden auf mysteriöse Weise von einer, maximal zwei Fischfrikadellen begleitet, die für meine Mutter bestimmt waren. Die hatte aus welchen Gründen auch immer eine Vorliebe für durchgewolftes Fischfilet mit grünlichen Kräuterfragmenten, während der Rest der Familie die strahlendweißen Seelachsfiletstücke mit der ebenso strahlenden orangefarbenen Panade (wir sprechen immerhin von den 1980ern, der Hochzeit von Aromen, Zusätzen und Lebensmittelfarbstoffen) bevorzugten. In Dr. Oetkers Kochbuch „Wild, Geflügel, Fisch“ aus den 1960er Jahren findet sich übrigens eine Anleitung für die Fertigung eines Fisch-Hackbratens aus Fischfilet, altbackenem Brötchen, Zwiebeln und Eiern. Unsere Frikadellen kamen aber ganz sicher aus der Tiefkühltheke der örtlichen Aldi-Filiale, auch wenn ich mich – anders als bei den Fischstäbchen – beim besten Willen nicht an eine Verpackung erinnern kann. Warum selber machen, wenn man’s doch kaufen kann? Heute liefert mir Google auf die Suchanfrage „Fischstäbchen, selbstgemacht“ glatte 41.000 Einträge, darunter Rezepte von Tim Mälzer und Jamie Oliver. Vor 30 Jahren noch eine reichlich absurde Vorstellung.

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