miniportion 018: schwarzbrot

8 Feb
Schwarzbrot-Käse-Stulle der Bäckerei Zimmermann, Köln 2011

Schwarzbrot-Käse-Stulle der Bäckerei Zimmermann, Köln 2011

Neulich wurde ich in einer Filiale der Kölner Großbäckerei M. in folgende Konversation verwickelt, die nicht wirklich eine war, weil ich ja kaum etwas gesagt habe.

ICH: Guten Tag, ich hätte gerne einen Berliner.

VERKÄUFERIN (russischer Akzent): Oh je, das tut mir sehr leid, ich habe keinen Berliner nicht mehr.

ICH: Dann hätte ich gerne eine Puddingbrezel.

VERKÄUFERIN: Sehr gerne.

Packt die Puddingbrezel in eine Tüte.

Wollen Sie probieren unser Oberländer Brot?

Ich zögere einen Moment.

Ja, Sie wollen probieren!

Sie reicht mir eine Viertelscheibe Brot.

Haben wir Gutschein, wenn Brot Ihnen schmeckt.

Ich stecke das Stück Brot in den Mund.

Ja, Brot schmeckt Ihnen, hier haben Sie Gutschein.

Sie reicht mir einen Gutschein für ein Oberländer zum Preis von € 1,50 statt 2,55 das Pfund.

Brot gibt es auch mit dunkler Kruste. Ist kräftiger im Geschmack!

Diese Situation beinhaltet eine gewisse Komik. Dafür muss man aber wissen, dass die Brote und Brötchen der Kölner Großbäckerei M. auch über die Stadtgrenzen hinaus für ihre, sagen wir, „knusprigen Krusten“ bekannt sind. Die mögen Menschen, die in der Bäckerei nicht nach hellen Brötchen fragen oder solche wie mein Freund A., der in seiner Kindheit aus politischen Gründen die blass-schwammigen Brötchen des schlechteren Bäckers seines Heimatdorfes essen musste. Aber das ist eine andere Geschichte. Alle anderen kaufen hier, wie ich, nur Kuchen und Teilchen. Die sind nämlich ziemlich lecker.

Beim Kauf eines Schwarzbrots bin ich sehr viel wählerischer. Am besten schmeckt mir das eines Bäckers aus der Nordeifel, weil das besonders hart und trocken ist. Das muss man mögen, aber die Deutschen sind ja für ihren ausdifferenzierten Brotgeschmack bekannt. Freund J., der aus einem Ort nur wenige Kilometer weiter auf der niederländischen Seite der Grenze stammt, besteht hingegen darauf, dass es ihm schon unmöglich sei, reguläres deutsches Brot zu schlucken – von gutem, rheinischen Schwarzbrot ganz zu schweigen. Essen ist eben doch eine Frage der Sozialisation.

3 Antworten to “miniportion 018: schwarzbrot”

  1. debelloculinario 11. Februar 2013 um 23:00 #

    Komm.. sooo schlimm ist das Merzenich (nennen wir es beim Namen:-)) Brot nun auch nicht! Ich empfehle übrigens das doppelte Röggelchen, was sich zu einem tollen halven Hahn verarbeiten lässt.. „knusprige“ alias steinharte Rinde hin oder her:-)

    • johannesarens 11. Februar 2013 um 23:01 #

      Da hast Du schon recht, im Rahmen der Dramaturgie hab‘ ich da ein wenig übertrieben 🙂

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