ethnografische notizen 028a: nelles ruppert, imker aus berlin

31 Mrz

 

LVR-Freilichtmuseum Kommern, 2005

Der Biologe Nelles Ruppert arbeitet als Fachreferent für Impfstoffe und als Hobbyimker. Bereits mit 12 Jahren lernte er das Handwerk, bekam seine ersten eigenen Bienen und durfte sich bald als der jüngste Imker Berlins bezeichnen. Heute nennt er acht Völker seine eigen, die im Ortsteil Lichtenrade im Süden der Stadt jedes Jahr rund 300 Kilogramm Honig produzieren.

 

Nelles, wie bist du zum Imker geworden?

Der Vater eines Kindergartenfreundes ist Imker und als ich in der siebten Klasse war, hat er mich bei der Arbeit zuschauen lassen. Nach einem Jahr wollte ich meine eigenen Bienen haben.

Du hast dich ja schnell professionalisiert.

Ja, ich haben von ein paar alten Imkern zwei, drei Kästen übernommen und im Garten meiner Schule in Marienfelde aufgestellt. Da habe ich meine Völker dann bis zur 13. Klasse gehalten. Da hatte ich dann zehn oder elf Völker.

Also auch ein glückliches Händchen?

Eher ein großes Interesse an der Biene, der Honig lief erst einmal nur nebenher.

Wie viel Honig produzierst du im Jahr?
Das ist sehr unterschiedlich, weil meine Völkerzahl nicht konstant ist. Im letzten Jahr waren es rund 300 Kilo.

Wie viel Arbeitszeit bedeutet das?

Auch das ist schwer zu sagen. Ich schleudere nur zwei Mal im Jahr. Einmal, wenn die Robinie aufhört zu blühen und die Linde beginnt – das ist meine Frühtracht. Und dann noch einmal, nachdem die Linde geblüht hat. Da sind zwei Tage an denen ich mit der Hilfe von fünf oder sechs Leuten von morgens bis abends beschäftigt bin.

Was genau machst du dann?

Ich hole die Waben aus den Stöcken. Der Honig wird dann geschleudert und läuft durch verschiedene Siebe. Am Ende muss dann alles gereinigt werden – das dauert eben den ganzen Tag. Letztendlich hat man aber das ganze Jahr über Arbeit.

Was machst du mit dem Honig?

Den verkaufe ich und verschenke aber auch viel. Das ist eine sehr praktische Sache. Ein Glas Honig als Geschenk steht nicht blöd rum sondern wird verbraucht. Außerdem ist es ein Naturprodukt. Ich mache ihn zwar nicht selber – das tun die Bienen – aber er ist von mir selbst geerntet.

Kannst du dich noch an deine erste Ernte erinnern?

Das war ein ganz fantastisches Gefühl. Ich war sehr stolz, weil es gleich 20 oder 30 Kilo gewesen waren.

Und hast Du dieses Gefühl jetzt auch noch, wenn Du geerntet hast?

Schon. Dieses Jahr hatte ich eine ganze Menge Honig. Dann sehe ich halt die ganzen Töpfe und denke, was das für eine Wahnsinnsleistung der Bienen ist, das alles zu sammeln.

Was zeichnet Deine Bienen aus?

Sie sind, wie die Berliner Bienen im Allgemeinen, ziemlich sanftmütig. Die Imker hier in Berlin achten darauf, eine wenig aggressive Biene zu züchten.

Und was sagt man über den Berliner Honig?

Wahrscheinlich erzählen die Imker in Bayern, ihr Honig sei der Beste. Ich behaupte das jetzt mal von Berlin – darf ich auch als lokaler Imker. Der Berliner Honig ist sehr hochwertig, weil er sehr wenige Rückstände hat.

Schmeckt der eigentlich immer gleich?

Nein, die Blütensituation ist ja nie exakt dieselbe. Manchmal wird es ja im Frühling schlagartig warm, alle Knospen gehen auf und verblühen ganz schnell. Freunde von mir sagen aber, dass mein Honig einen sehr typischen Geschmack habe. Das liegt daran, dass der Standort derselbe bleibt und das Pflanzenbild identisch ist.

Was sind denn die wichtigsten Futterpflanzen?

Im Frühjahr habe ich immer Robinie, aber natürlich sammeln die Bienen auch ganz viel Obstblüte. Der Sommerhonig ist schwerpunktmäßig Linde. Es gibt Imker aus dem Süden Deutschlands, die kommen mit ihren Bienen an die Stadtgrenze nach Berlin wenn die Linde blüht.

Warum das?

Man sagt, dass die Linde in anderen Gegenden nur alle sieben Jahre „honigt“. In Berlin haben wir aber ein Mikroklima – die Abwärme der Häuser, der Verkehr, 3,5 Millionen atmende Menschen, die auch wieder Feuchtigkeit abgegeben – das offensichtlich ideal ist. Deshalb haben wir eigentlich jedes Jahr Linde. Außer wenn es regnet, dann können die Bienen nicht fliegen. Wenn die Linde anfängt zu blühen und wir haben fast vier Wochen am Stück Dauerregen, dann ist die Ernte natürlich mies und schmeckt dann auch anders.

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